17.4.2008 01:49
Bei Jabber hat sich was getan. Etwas, worauf ich schon
eine ganze Weile gewartet habe. Der neue ejabberd 2.0.0
bringt nämlich Unterstützung
für Personal
Eventing via Pubsub mit.
Dabei geht es um Updates, die gut in das Schema Presence
passen würden. Würden, denn eigentlich möchte man nicht
jeden Buddy im Roster mit für ihn unwichtigen Informationen
belasten. Das würde ja gar nicht skalieren, denn Presence
Stanzas erhält jeder im Roster, dem man die Erlaubnis
erteilt hat.
Wie das bei Jabber eben so ist, abstrahiert man da und hat für
solche Funktionalität
Publish-Subscribe
erfunden.
Davon hat der ein oder andere sicherlich schon mal gehört, wird
es doch hier und da als ein Killer-Feature angepriesen. Das
Konzept könnte man grob mit Mailinglisten umreissen: es gibt
Entitäten mit Owner- oder Publisher-Berechtigung, und es gibt
Subscriber. Alles ist XML und Konfigurierbarkeit ist vorgesehen.
Nur fehlte bislang die Umsetzung.
Wenn man sich diese
Erweiterung
anschaut, dann wird man ganz schnell von Komplexität,
insbesondere was die Einstellungsmöglichkeiten betrifft,
erschlagen. Soviel braucht man nicht um seine derzeitige
Stimmung oder den aktuellen Musiktitel zu publizieren. Ausserdem
trifft die Menge der Empfänger ganz gut auf einen Teil des
Rosters zu. Deshalb hat man sich eben
jenes PEP
ausgedacht, ein rudimentäres Publish-Subscribe.
Das funktioniert nun so, dass man selbst, also die eigene
Jabber-Id ein Pubsub-Knoten ist. Wenn der eigene Server das kann
(findet man mit
Service
Discovery raus), dann braucht man dorthin einfach nur
drauflospublizieren.
Das mit dem Empfangen gestaltet sich schon etwas
komplizierter. Man hat dabei wieder mehrere Jabber-Grundsätze
bedacht.
Es muss für viele Interessenten und viele Updates gut
skalieren. Deshalb muss irgendwie herausgefunden werden, wer an
den Informationen interessiert ist.
Man hat wieder einen großen Teil der Komplexität den Servern
überlassen. Die übernehmen hier nicht nur das entgegennehmen und
verteilen, sondern auch die Entscheidung, an wen verteilt
wird.
Und wie bekundet man nun Interesse an Informationen?
Zuerst einmal sollte gesagt werden, dass diese Strukturen immer
mit XML-Namespaces typisiert werden. Anhand derer wird nun
unterschieden und wenn man sie verarbeiten kann, dann kündigt
man das in der
Service
Discovery an. Für PEP hängt man da noch ein +notify
dran.
Wenn man also beispielsweise an aktuellen Musiktiteln
(http://jabber.org/protocol/tune) interessiert ist, dann
wird da http://jabber.org/protocol/tune+notify draus.
Service
Discovery ist aber nix was man in
einer <presence/> mitschickt, dafür wäre es ein
bisschen zu gewichtig. Die muss aktiv abgefragt werden (dafür
gibts bei Jabber die dritte Art Pakete: <iq/>).
Hier hätten wir schon den nächsten Flaschenhals. Mein Server
kann doch nicht jeden Buddy einzeln abfragen.
Dafür hat man sich einen Cache-Mechanismus einfallen
lassen: Entity
Capabilities. Hierbei werden die Informationen
der Service
Discovery zusammengehashed. Das kann irgendwie passieren, es
muss nur halbwegs eindeutig sein. Zirka so eindeutig, dass
gleiche Clients in gleichen Versionen mit gleichen Einstellungen
mit, und darauf liegt eben der Fokus, gleichen Features den
selben Hash haben.
Trifft man (im Falle von PEP der eigene Server) nun auf einen
unbekannten Hash, so holt man sich die unterstützten Features
des Senders und hält sie für weitere Clients mit dem gleichen
Hash vor.
Zurück zu
PEP:
man muss also die Namespaces der gewünschten Informationen
in Service
Discovery ausspucken und schon erhält man Updates. Wenn
man Empfänger ist, dann muss es der eigene Server auch gar nicht
unterstützen. Aber zugucken ist ja langweilig.
Laut turbo24prg kann Pidgin bereits
User
Tune empfangen. Dies und
User
Mood können Psi und Gajim auch. Gajim
kann auch noch
User
Activity und die SVN-Version seit ein paar Tagen auch noch
publizieren. Bewundern kann man das dann in den Popups im
Roster.
Adium zeigt auch irgendetwas an, laut klobs.
Aber die Zukunft wird uns noch mehr
bringen. User
Viewing ist für den aktuellen
Film, User
Gaming für das aktuelle Spiel
und User
Chatting informiert über aktuelle IRC- und MUC-Chats. Wer
sich jetzt an den Kopf greift, der versteht auch Dienste
wie Twitter nicht. Ich übrigens auch nicht.
Sinnvoller wirds dann schon
mit User
Browsing, was einfach mal URLs austauschen ist. Ich bin
gespannt, ob das effizient benutzbar umgesetzt wird. Richtig
interessant, und das finde ich eine wirklich interessante
Anwendung, wird dann noch
File
Repository and Sharing.
Schon jetzt hätte ich Lust einen Web-basierten Aggregator für
Tune, Mood und Activity zu bauen. Das wäre viel weniger Aufwand
als ihn beispielsweise der Harvester erforderte. Aber
noch benutzt PEP niemand. Noch unterstützen es zu wenig
Server. Abwarten, bis die soziale Welle über Jabber rollt.
So langsam glaube ich wirklich, Jabber-Clients könnten in ein
paar Jahren die Dienste ablösen, die sich Social
Networking oder Web 2.0 nennen. Ich bin einerseits
gespannt, ob wir dann immernoch auf kleinen, von Privatpersonen
betriebenen Server hängen, oder wir kommerzielle Infrastruktur
verwenden werden, so wie das beim heutigen Web 2.0 der Fall ist.
Ausserdem spannend, wie das User Interface zukünftiger
Jabber-Clients aussehen wird. Es bleibt ja scheinbar nicht beim
lediglichen Message & Presence. Social Networks haben ein
schickes 2.0-Design in Pastellfarben, alles ausserhalb des
Browsers sollte sich aber einheitlich in das restliche GUI
einfügen. Aber das ist wohl generell die Frage nach dem UI der
Zukunft.
28.2.2008 04:11
Kluge Menschen anonymisieren möglichst viele
Internetverbindungen, die nicht auf Performance angewiesen sind,
und welche Requests herumschicken, anhand welcher man ein Profil
erstellen kann. Feedreader sind zum Beispiel ganz sinnvoll.
nulli fragte mich letzten August, ob es nicht möglich
sei, jegliche TCP-Verbindungen eines Ruby-Programms durch
einen Tor-Proxy umzuleiten. Ich schrieb ein Drop-in,
welches den alten Konstruktor von TCPSocket umbenennt und
einen neuen, welcher nach dem Verbindungsaufbau zu einem
beliebigen festen Server eine SOCKS5-Verbindung zum gewünschten
Ziel aufbaut.
Ich habe das Repository zwar schon einmal auf ruby-talk@
geschickt, aber es kamen keine Reaktionen. Deshalb
veröffentliche ich einfach mal eine Version 1.0. Es muss doch
paranoide anonymisierende Ruby-Hacker geben da draußen.
Da Releases zubereiten ziemlich Zeit frißt, habe ich mich nur um
eine
kleine Dokumentation
und ein Gem gekümmert. Zum
SOCKSifizieren eines beliebiges Ruby-Skripts genügen folgende
Zeilen:
% sudo gem install socksify
% tor &
% socksify_ruby localhost 9050 skript.rb
10.1.2008 20:23
Wie Henning gerade verifiziert hat, kann OpenBGPD nun endlich über Adressen aus dem Link-local scope (fe80::/10) peeren.
Das ist eine häufig genutzte Konvention im DIAC24, weshalb man dort nun nicht mehr zu Quagga gezwungen ist und Wahlfreiheit hat.
Die Wahl zu haben rockt.
Für die Benutzung muss man natürlich immernoch das Interface angeben.
BSD-typisch sieht das so aus: fe80::cafe:babe:dead:beef%tun23.
1.1.2008 23:05
Was auf dem 24C3 ganz großartig geklappt hat, sind die
Mitschnitte. Davon sind bereits nicht zu wenige aufgetaucht als
der Kongreß noch im Gange war.
Ich habe auch schon in mehrere reingeschaut. Das sind dann
Events die entweder mit meinem Schlafverhalten kollidierten oder
bei denen mir nach der Hälfte die Füße zu weh taten.
Eine sehr tolle Sache ist das also mit den Mitschnitten.
In entsprechendem
Wikiartikel sind auch schon ganz viele Mirrors zu finden.
spaceboyz.net ist auch dabei. Nicht nur per HTTP &
HTTPS, sowie IPv4 & IPv6, sondern auch
per BitTorrent. Das würde ich mir von jedem Mirror
wünschen, denn mein ungeschultes Auge und die nicht besonders
ausführlichen Informationen von rtorrent sagen mir, es
sind nicht sehr viele schnelle Seeder.
Dabei hat P2P so einige Vorteile gegenüber den klassischen
Protokollen. Als erstes sind .torrent-Files natürlich
mittlerweile auf vielen Desktops auch ganz einfach anklickbar.
Ausserdem kommt der (partielle) Integritätscheck for
free, denn in BitTorrent sind immer kleine Stückchen
(Pieces) mit Prüfsumme versehen. Ersetzt rsync, und HTTP
sowie FTP haben das erst gar nicht.
In einer Mirrorliste muss man das Glück haben auch wirklich die
schnellen zu finden, damit es einem den Downstream ordentlich
saturiert. Entfällt mit P2P, sobald es genügend oder genügend
schnelle Seeder gibt. Die müssen natürlich nicht handerlesen
werden.
Bei BitTorrent kann man sich zwei Flaschenhälse überlegen:
die .torrent selbst und die Tracker.
Die .torrent-Files können natürlich gespiegelt werden,
ausserdem ist bei diesen kleinen Häppchen die
Downloadgeschwindigkeit meistens unerheblich.
Die Tracker haben leider mit sehr viel Last zu kämpfen, da
scheinbar sehr viele Ersteller dieselben verwenden, wie man dem
sehr schönen
Talk Tracker
fahrn entnehmen konnte. Aber auch hier kann Redundanz
gegeben werden, man schreibt einfach mehrere Tracker in
die .torrent. So einfach ist das.
Fazit: mehr BitTorrent-Usage!
22.11.2007 00:51
Vor einiger Zeit entdeckte ich bei irgendjemandem in der Suppe ein Zitat, welches wieder mal sehr schön einfach die Welt erklärt.
Leider verlor ich es dann aus den Augen, habe es jedoch wiedergefunden, und statt es nur zu reposten, möchte ich es langlebiger hier festhalten:
Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.
― Arthur Schopenhauer